Östrogenassoziierte venöse Thromboembolien: niedriges Rezidivrisiko nach Antikoagulation
Nina HaußerEine internationale prospektive Registeranalyse untersuchte venöse Thromboembolien bei Frauen während einer Östrogentherapie. Ausgewertet wurden 13.418 Patient:innen unter 50 Jahren ohne aktive Krebserkrankung, darunter 2.786 Frauen mit einer Thromboembolie während der Östrogentherapie. Nach dem Absetzen der Antikoagulation war ihr Rezidivrisiko im ersten Jahr niedriger als bei Männern und Frauen mit nicht östrogenassoziierter venöser Thromboembolie, während Blutungen unter der Behandlung bei Frauen häufiger auftraten.
Frauen mit östrogenassoziierter Thromboembolie waren jünger
Die Analyse der Ausgangscharakteristika zeigte zunächst einen deutlichen Altersunterschied. Frauen mit einer venösen Thromboembolie während einer Östrogentherapie waren im Mittel 32 Jahre alt. Damit waren sie jünger als Männer mit venöser Thromboembolie, deren Durchschnittsalter 39 Jahre betrug, und als Frauen mit nicht östrogenassoziierter venöser Thromboembolie mit durchschnittlich 38 Jahren.
Über den Altersunterschied hinaus zeigte sich, dass bei 74% der Frauen mit östrogenassoziierter venöser Thromboembolie kein zusätzlicher transienter Risikofaktor dokumentiert wurde. Dazu zählten unter anderem Immobilisation, Operation, Schwangerschaft oder längere Reisen. Die Ereignisse traten somit häufig ohne weitere vorübergehende Risikokonstellation auf.
Diese Ausgangssituation spiegelte sich auch im therapeutischen Vorgehen wider. Bei 92% der Frauen wurde die Östrogentherapie zum Zeitpunkt der Diagnose beendet. Die mediane Dauer der Antikoagulation lag bei sechs Monaten.
Frauen wiesen höhere Blutungsraten auf
Unter der Antikoagulation traten bei Frauen häufiger Blutungen auf als bei Männern. Bei Frauen mit östrogenassoziierter venöser Thromboembolie lag die Blutungsrate bei 8,70 Ereignissen pro 100 Patientenjahre (95%-KI: 7,09–10,6). Bei Frauen mit nicht östrogenassoziierter venöser Thromboembolie wurden 11,8 Ereignisse (95%-KI: 10,0–13,7) und bei Männern 5,46 Ereignisse pro 100 Patientenenjahre beobachtet (95%-KI: 4,64–6,39).
Rezidive blieben im frühen Verlauf selten
Nach dem Absetzen der Antikoagulation betrug die Rezidivrate bei Frauen mit östrogenassoziierter venöser Thromboembolie 2,07 Ereignisse pro 100 Patient:innenjahre (95%-KI: 1,57–2,68). Bei Männern wurden 8,70 (95%-KI: 7,75–9,73) und bei Frauen mit nicht östrogenassoziierter venöser Thromboembolie 5,05 Ereignisse pro 100 Patient:innenjahre beobachtet (95%-KI: 4,16–6,07).
Die Studie berichtet damit über ein niedriges Rezidivrisiko im ersten Jahr nach Beendigung der Antikoagulation. Die Einordnung der Ergebnisse ist jedoch durch die begrenzte Nachbeobachtung eingeschränkt: Nach dem Absetzen lagen nur bei 51% der Frauen mit östrogenassoziierter venöser Thromboembolie Nachbeobachtungsdaten vor; die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 9,8 Monate. Da die Östrogentherapie bei 92% der Frauen beendet wurde, war eine separate Auswertung der Rezidiv- und Blutungsrisiken bei fortgeführter Östrogentherapie nicht möglich. Die Autor:innen weisen zudem auf den beobachtenden Charakter der Registeranalyse und die begrenzten Langzeitdaten hin.
Quelle:Verstraete A et al. (2026) Venous thromboembolism in women on estrogen therapy:presentation, management, and outcomes in the RIETE registry, blood, DOI: 10.1182/bloodadvances.2026020383