Hämophagozytische Lymphohistiozytose bei Erwachsenen
Dr. med. Sebastian Birndt, Dr. med. Thomas Schenk und Prof. Dr. med. Paul La RoséeDie hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) ist ein potenziell lebensbedrohliches hyperinflammatorisches Syndrom, bei dem die unkontrollierte Aktivierung von T-Zellen und Makrophagen zu einer pathologischen Zytokinfreisetzung führt (Cytokine-Release-Syndrom (CRS)). Die HLH wird üblicherweise als primär (Vorliegen definierter Mutationen in immunregulierenden Genen, vererbt) oder sekundär (erworben, nicht erblich) klassifiziert [1]. Während die primäre HLH häufig bereits im frühen Kindesalter klinisch manifest wird, liegt bei Erwachsenen zumeist eine sekundäre HLH vor. Klinisch imponiert oft ein Sepsis-ähnliches Bild, wobei eine Trias bestehend aus Fieber, Zytopenien sowie (Hepato)splenomegalie als typisch gilt. In den meisten Fällen geht der HLH eine auslösende Erkrankung voraus, am häufigsten werden Infektionen (v.a. viral), Malignome (insbesondere im höheren Lebensalter) und rheumatische Erkrankungen beobachtet. Für letztere wird synonym der Terminus Makrophagenaktivierungssyndrom (MAS-HLH) gebraucht. Mit dem zunehmenden Einsatz moderner zellbasierter Therapien (CAR-T-Zellen) und bispezifischer Antikörper wurden zudem vermehrt HLH-ähnliche Verläufe beschrieben, welche in der Literatur als „immune effector cell-associated HLH-like syndrome“ (IEC-HS) subsumiert werden und von einem CRS abgegrenzt werden. Ein weiterer Phänotyp aus dem Spektrum der HLH-ähnlichen Erkrankungen ist das Makrophagenaktivierungs-ähnliche Syndrom (MALS) bei einer Subgruppe von Sepsis-Patient:innen mit Infektions-getriggerter Hyperinflammation, die einer Immunsuppression bedürfen [2]. Um die meist notwendige immunsuppressive Therapie nicht zu verzögern, ist die frühzeitige Erkennung einer HLH-Spektrum-Erkrankung zentral. Für ein optimales Management dieses seltenen Syndroms ist die enge Zusammenarbeit der involvierten Fachdisziplinen (Hämatologie/Onkologie, Infektiologie, Intensivmedizin, Rheumatologie, Neurologie, Immunologie, Gastroenterologie, ggf. Pädiatrie) essenziell. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über die Epidemiologie, Pathogenese, Klinik, Diagnostik sowie Therapie und Management der HLH, wobei der Schwerpunkt bei der sekundären HLH liegt, da diese bei Erwachsenen die weitaus häufigste Form darstellt.
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