Journal Hämatologie

Im Spotlight

Im „Spotlight“ finden Sie ab jetzt regelmäßig ausgewählte Studienergebnisse und Literaturreferate aus der Hämatologie und Hämatoonkologie – praxisrelevant, aber auch mit Raum für neue Perspektiven und wissenschaftliche Tiefe. Ärzt:innen und Fachjournalist:innen beleuchten, was klinisch zählt – und was darüber hinaus zum Weiterdenken anregt.

Beiträge zum Thema Im Spotlight

Die schwere inflammatorische und hämatologische Erkrankung VEXAS wird von Mutationen in UBA1 hervorgerufen. Neben der häufigsten kanonischen Form M41 gibt es jedoch weitere. In einer Screeningstudie des Münchner Leukämielabors fielen jetzt rund ein Drittel der entdeckten Varianten in die Kategorie nicht-kanonisch [1]. Funktionell resultierten zwar sämtliche untersuchte UBA1-Mutationen in einem Rückgang der globalen Polyubiquitinierung – jedoch war bei den kanonischen nur die rein zytoplasmatische Isoform UBA1b betroffen, bei nicht-kanonischen sowohl die Proteinfunktion im Zellkern als auch im Zytoplasma beeinträchtigt. Klinisch traten die M41-Mutationen meist als Myelodysplastische Syndrome (MDS) in Erscheinung, in der Regel ohne Co-Mutationen neben UBA1. Patient:innen mit nicht-kanonischen Varianten trugen häufiger Co-Mutationen, und das Erkrankungsspektrum umfasste mehr maligne Diagnosen.
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Das ZNS-Myelom: Pathogenese, Diagnostik und praxisnahe Therapieempfehlungen

Das ZNS-Myelom: Pathogenese, Diagnostik und praxisnahe Therapieempfehlungen

Das Multiple Myelom (MM) des Zentralen Nervensystems (ZNS-MM) ist eine sehr seltene, aggressive extramedulläre Manifestation (EMD) mit schlechter Prognose. Die Inzidenz liegt bei etwa 1% aller MM-Patient:innen. Patient:innen mit vorbestehender EMD-Erkrankung, einschließlich Weichteiltumoren oder zirkulierenden Plasmazellen, sowie solche mit primärer Plasmazell-Leukämie (PCL) haben ein erhöhtes Risiko, an ZNS-MM zu erkranken. Daher empfiehlt der kürzlich veröffentlichte Expertenkonsens zur primären PCL die Durchführung einer diagnostischen Lumbalpunktion bei Patient:innen mit neurologischen Symptomen [1]. Darüber hinaus ist bei Patient:innen mit Hochrisiko-Merkmalen zum Zeitpunkt der MM-Diagnose, wie z.B. fortgeschrittenem Stadium, erhöhtem LDH-Wert oder Hochrisiko-Zytogenetik, die Wahrscheinlichkeit einer Progression zum ZNS-MM höher, sodass sie engmaschig überwacht werden sollten. Es besteht noch kein Konsens hinsichtlich der Behandlung eines ZNS-MM.
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DLBCL: Immunologische „Narbe“ besteht noch Jahre nach Behandlung

DLBCL: Immunologische „Narbe“ besteht noch Jahre nach Behandlung

Krebserkrankungen hinterlassen einen immunologischen Abdruck, eine „Narbe“, die auch noch Jahre nach einer vollständigen Remission besteht. Forschende der Universität Erlangen zeigten anhand von Zellanalysen, Genexpressionsprofilen und Mausmodellen, dass beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) diese „Narbe" aus einer hohen Anzahl an überwiegend monozytären myeloiden Suppressorzellen (M-MDSCs), einer erniedrigten Zahl unreifer T-Zellen und einem erhöhten Interleukin-6 (IL-6)-Level besteht. Das adaptive Immunsystem war langfristig beeinträchtigt und die Impfreaktion in vitro abgeschwächt. Diese Veränderungen haben langfristige Konsequenzen: Sie können zu Komplikationen bei den Betroffenen führen und die Impfstrategie sowie die Wirkung von Immuntherapien beeinflussen.
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Nebenwirkungsmanagement

Bewertung der Therapieverträglichkeit bei hämatologischen Neoplasien

Mit dem rasanten Einzug von CAR-T-Zellen, Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI), bispezifischen Antikörpern, Antibody–Drug-Konjugaten (ADC) in frühere Behandlungslinien verändert sich die hämatologische Therapielandschaft grundlegend. Deren Nebenwirkungen können sich erheblich von den bekannten der klassischen Chemo- oder Radiotherapie unterscheiden und verlangen nach neuen Bewertungsmaßstäben. Ein aktueller Beitrag in Lancet Haematology fordert deshalb eine patientenzentrierte Bewertung der Verträglichkeit: Von standardisierten Definitionen akuter, subakuter bis Langzeit-Toxizität über Infektionen und Zweitmalignome bis hin zur Frage nach der optimalen Dosis und Behandlungsdauer.
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Im Spotlight

Klonale Hämatopoese und klonale Zytopenie unklarer Signifikanz

Klonale Hämatopoese (kH) und klonale Zytopenie unklarer Signifikanz (CCUS) treten zum einen altersbedingt durch DNA-Schäden, aber auch im Kontext von genotoxischen Therapien auf sowie bei erworbenen oder erblichen Knochenmarkversagen-Syndromen. Sie sind u.a. mit der Entwicklung myeloider Neoplasien assoziiert. Die Publikation von Kristina Kirschner und Kolleg:innen beleuchtet aktuelle Erkenntnisse zu kH und CCUS einschließlich Diagnostik und Risikobewertung.
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Transfusionsmedizin
Blutspenden und klonale Hämatopoese: Wie Erythropoetin bestimmte DNMT3A-Mutationen fördert

Blutspenden und klonale Hämatopoese: Wie Erythropoetin bestimmte DNMT3A-Mutationen fördert

Blutspenden können Leben retten, doch ihre langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit der Spender:innen sowie auf hämatopoetische Stammzellen (HSC) sind bislang kaum erforscht. Eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Francis-Crick-Instituts hat nun in einer Studie untersucht, ob und wie sich regelmäßige Blutspenden (>100 Spenden) auf die klonale Hämatopoese bei gesunden Spender:innn auswirken. Im Zentrum der Analyse stehen Mutationen im DNMT3A-Gen, das eine Schlüsselrolle bei epigenetischen Prozessen spielt, sowie ein möglicher Zusammenhang mit dem blutbildenden Hormon Erythropoetin (EPO).
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